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Trauerweg St. Wendel

„Der Trauer begegnen“ lautete der Titel eines Weges mit Impulsen zu den unterschiedlichen Erfahrungen von Trauer.

15 TeilnehmerInnen begaben sich am 4. Oktober auf einen circa zweistündigen Weg mit zehn Stationen zwischen Missionshaus und Wendelinuskapelle.

Die erste Station befand sich an einer Straßenschwelle und bezog sich auf den Einschnitt im Leben, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Es ist tröstend, in dieser Situation nicht alleine auf dem Weg zu sein; Psalm 91 gibt uns dabei Gottes Zusage: “Denn er hat seinen Engeln befohlen über Dir, dass sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen.”

Ein Blick in den Wald auf totes Holz bildete die zweite Station als Symbol für die Verwurzelung unserer Generation in den Generationen unserer Vorfahren als Basis für neues Wachstum.

Es folgte eine Abzweigung zu einem unbefestigten Weg in den Wald, geleitet von einem Geländer. Der Tod eines geliebten Menschen ist wie eine Weggabelung: vorher Sicheres wird unsicher. Es steht die Frage im Raum, wo führt der Weg hin – und das Geländer als Symbol für die Frage: wer oder was gibt mir Halt? Auch ist die Szene trotz der grauen Farbe des Laubes auch immer wieder von grün geprägt. Grund zur Hoffnung: „Hoffen, wider alle Hoffnung“ (Heinz Martin Lonquich)

Die Lourdes-Grotte hinter dem Missionshaus griff die Sehnsucht Trauernder nach Geborgenheit und Schutz auf, die ihren Ausdruck auch im Ave Maria findet und dem entzünden einer Kerze an geprägten Orten, wie der Grotte.

Einige Meter von der Grotte entfernt fanden sich zwei Stühle – als Symbol des leeren Stuhles neben mir. Die Kollegin der Hospizhilfe griff in einem Text die Fragen auf, was hilft, Leere zu ertragen und wo Ankerpunkte in der Situation der Trauer zu finden sind, um weiterzugehen im Leben.

Der Impuls am Friedhofstor mit dem Blick auf die identischen Kreuze der verstorbenen Patres bezog sich auf die Tatsache, dass wir alle im Tod gleich sind. Wir alle müssen sterben. Doch gleichzeitig ist unser Sterben, ist unsere Trauer individuell auf Basis unserer Beziehungen.

Es folgte ein Weitblick als Symbol eines Perspektivenwechsels: den Blick vom dunklen Abschnitt auf die glückliche Seite des Lebens wenden und der Appell, das Leben als Ganzes zu sehen.

„Wenn man seine Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen“ (Francois de la Rochefoucauld) ist ein Spruch an einem Baum am Wendelinus-Rundweg. In der Trauer das zuzulassen, was gerade dran ist, sich die Zeit nehmen, die man braucht, das Recht zu haben, bei sich zu sein, kann daraus als Aufforderung gelesen werden.

Die vorletzte Station befand sich auf einer Brücke über einem kleinen Bach: Trauer ist wie ein Fluss, gegen den man nur schwer oder gar nicht anschwimmen kann. Er bahnt sich seinen Weg und mündet oft auch in etwas Neues.

Die letzte Station bestand aus einem gespielten Dialog vor der Wendelinuskapelle zwischen einer Trauernden und einem Friedhofsbesucher. Er bezog sich auf die Scheu vieler Menschen, Trauernde anzusprechen aus Angst, etwas Falsches zu tun oder zu sagen.

Oft hilft es, da zu sein, zu fragen „was brauchst Du“ oder einfach nur, ein Stück des Weges mitzugehen.

Der Trauerweg wurde vorbereitet und durchgeführt von Dr. Carola Fleck (Pastoralreferentin im Dekanat St. Wendel), Bärbel Ludwig (Christliche Hospizhilfe St. Wendel), Theresia Wagner (Lebensberatung St. Wendel), Dr. Markus Seeger (Katholische Erwachsenenbildung Neunkirchen)

Bericht: Dr. Markus Seeger