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... mit Zootierarzt Mark Eichelmann

Ausnahmsweise an einem Donnerstag fand im Oktober das Gespräch aus der Reihe: „Auf ein Bier mit..“ statt.

An diesem Abend hat sich der Tierarzt des Zoos in Neunkirchen den Fragen der Katholischen Erwachsenenbildung über seinen Beruf beziehungsweise seinen Berufungsweg gestellt.

„Ich habs schon immer mit `Viechern´ gehabt“ beschreibt Mark Eichelmann im Rückblick den Beginn seiner Begeisterung für ein Berufsleben im Dienst der Tiere.

Erst jedoch der Besuch beim Arbeitsamt ließ aus dieser Liebe ein konkretes Studienfach werden: Tiermedizin. Zunächst noch ohne konkretes Ziel und vor allem aus Interesse für die Inhalte des Studiums entstand während eines Praktikums, das ihn nahezu täglich in den Frankfurter Zoo führte, die klare Vision, später einmal im Zoo zu arbeiten.

„Das hat mich absolut geflashed..“ so beschreibt Mark Eichelmann die ersten Begegnungen als angehender Tiermediziner mit den Zootieren.

Nah mit den Tieren arbeiten, sie mit allen Sinnen wahrnehmen war für ihn ein Schlüssel-erlebnis auf seinem Weg. Ab diesem Zeitpunkt hat er „…alles gemacht, um dann irgendwann da letztlich auch zu landen“.

Heute gleicht kein Tag dem anderen in seiner Tätigkeit im Zoo. Das Arbeitsfeld in Neunkirchen ist sehr breitgefächert, auch aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen eher kleineren Zoo handelt, in dem ein Tierarzt auch über seine Kernkompetenzen hinaus tätig sein muss. Sei es, sich um einen umgestürzten Baum bei den Hyänen nach einem Sturm zu kümmern, um einen Abszess bei einer Ziege, um stresssensible Papageien oder die Integration eines Rothundes, an dessen Teamfähigkeit gewisse Zweifel bestehen.

Ein Zootierarzt ist „…Spezialist für alles..“ und alle Tiere. Doch gibt es durchaus die Möglichkeit, aus einem Netzwerk an Tierärzten Fachkompetenzen hinzuzuziehen – und nicht nur von Tierärzten. Steht bei einem Menschenaffen eine Zahnbehandlung an, macht auch dieser durchaus die Bekanntschaft eines Zahnarztes, vor dem sich auch seine menschlichen Kollegen fürchten.

Dank ausgeklügelter Medikamente fürchten sich die Tiere im Zoo nur selten vor dem Tierarzt – die Narkosemittel löschen die Erinnerung aus. Für viele ist er gar der „Guzelonkel“ und man freut sich über den Besuch im Gehege. Lediglich ein Schopfmakake kann sich an eine schmerzvolle Begegnung mit Herrn Eichelmann erinnern, was das Verhältnis der beiden bis heute deutlich belastet.

Die Frage, wie man seine Berufung findet, beantwortet der Zootierarzt mit dem Appell zum Reisen. Die damit einhergehende Horizonterweiterung, der andere Blick auf das eigene Leben, die eigene Lebenswelt, kann Spuren zur eigenen Berufung zeigen und Wege in diese Richtung eröffnen.

Nicht einmal viel Geld könnte Mark Eichelmann aus dem Zoo und in ein anderes Leben locken. Im Gegenteil: mit einem Millionengewinn würde er einen eigenen Zoo gründen und dort eigene Ideen und Visionen verwirklichen.

Im Nachgespräch unterstrich Herr Eichelmann noch einmal die Begeisterung für seinen Weg: „Manchmal staune ich über mich selbst, wenn ich durch den Zoo laufe“.

Mit diesem Gespräch endet die Reihe: „Auf ein Bier mit..“ in diesem Jahr.

Das Gespräch kann auf YouTube angesehen werden: https://youtu.be/<wbr />ETmyik3xzVU

 

 

 

 

 

... Prof. Bartone

Damaskuserlebnis beim Arbeitsamt

Zum letzten Mal vor der Sommerpause hieß es am 30. Juni „Auf ein Bier mit:“. Als Gesprächspartner durften wir Prof. Dr. Roberto Bartone, Richter am Finanzgerichtshof des Saarlandes, Honorarprofessor und Mitglied des saarländischen Verfassungsgerichtshofs begrüßen. Nach den üblichen beruflichen Kindheitsräumen von Feuerwehrmann und Polizist war bald klar: Lehrer wird das Berufsziel von Herrn Bartone. Dann stand der übliche Besuch beim Arbeitsamt zur Klärung der Berufsfindung gegen Ende der Schulzeit an und nur etwas widerwillig nahm Herr Bartone daran teil. Denn eigentlich war die Berufsfindungfrage kein Thema mehr. Die alten Sprachen und Französisch sollten die Unterrichtsfächer des zukünftigen Gymnasiallehrers Bartone werden. Doch dann: Es gab im Arbeitsamt zwar keinen Blitz und kein Pferd wie damals, als vor circa 2000 Jahren bei Damaskus aus dem jungen Saulus ein Paulus wurde, aber es gab einen Juristen, der in einem Gespräch Roberto Bartone von einem Lehrer zu einem Juristen machte – zunächst noch als Berufswunsch.

Beim Bier reflektiert Prof. Bartone diese Situation und stimmt zu, die Bezeichnung „Berufungs-erlebnis“ für das, was er in dem Gespräch erlebte, sei nicht zu hoch gegriffen. Er ergänzt aus seiner christlichen Grundhaltung, dass er darin das Wirken des Heiligen Geistes gesehen und gespürt hat „…der Heilige Geist hat meine Schritte dahin gelenkt...“. Weshalb nun Jura? Ein tief empfundenes Gerechtigkeitsgefühl ist die wesentliche Basis für diese Wahl. Noch lange war der Weg ins Steuerfach und Richteramt nicht klar. „Im Steuerrecht läuft die gesamte Rechtsordnung zusammen“. Dies gab letztlich den Ausschlag für den Weg ins Steuerrecht und die Finanzverwaltung: „Man muss hier auch ein Stück weit Generalist bleiben“. Das Richteramt galt lange weit weg und nicht so leicht erreichbar, doch die Bewerbung hatte Erfolg, und so kann Prof. Bartone heute sagen, in der Verbindung zwischen Steuerrecht und Richteramt seinen Traum zu leben und diesen Weg noch nie bereut zu haben.

Mit dem Richteramt Streitigkeiten auch in der persönlichen Begegnung zu klären und gleichzeitig fachlich in der gesamten Bandbreite der unterschiedlichen Steuerfälle involviert zu sein, begeistert Prof. Bartone jeden Tag aufs Neue. Dabei für den Rechtsstaat einzutreten, Menschen den Sinn der Rechtslage zu erläutern, um Verständnis für Entscheidungen zu schaffen – auch wenn sie nicht im Sinne der Betroffenen ausfallen – ist ein Grundanliegen von Herrn Bartone. Wenn auch in den fachlichen Entscheidungen seine christliche Einstellung keine Rolle spielen darf, in seiner Haltung, seiner Herangehensweise, wird sie deutlich spürbar. Den Menschen im Alltag hinter dem Fall zu sehen, die Menschen zusammenzubringen, jeden – auch wenn er mir auch nicht sympathisch ist – als Bruder und Schwester zu sehen, ist sein Credo.

Durch seinen ehemaligen Professor an der Uni gab es doch ein Wiedersehen mit dem Saulus vor dem Damaskuserlebnis. Es bot sich die Möglichkeit, in der akademischen Lehre mit Lehraufträgen und später als Honorarprofessor an der Universität des Saarlandes tätig zu sein. Ein Telefonanruf aus Karlsruhe ebnete den Weg zum Bundesverfassungsgericht als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schließlich zum saarländischen Verfassungsgerichtshof. Dies alles im Tagesprogramm unter einen Hut zu bekommen, scheint nicht ganz einfach und ist es sicherlich auch nicht. Doch im Gespräch wird deutlich, aus der Energie des flows, der Begeisterung für das, was er tut, sind organisatorische Fragen keine Probleme und Hemmnisse, sondern lediglich Herausforderungen, im Zweifel auf Kosten der Nachtruhe.

Welche Vorgehensweise würde Prof. Bartone nun einem 17-Jährigem empfehlen, der ebenfalls auf der Suche danach ist, seinen Traum zu leben? Die eigenen Stärken schonungslos erforschen, genau hinzuschauen, sie offenzulegen und dann den Mut zu haben, sich darauf zu konzentrieren und seinen Weg zu gehen, ist der entscheidende Tipp. Sicherlich können Gespräche und eine Orientierungszeit ebenfalls wichtige Elemente auf dem Weg zum Ziel sein.

Gerät man in einer späteren Lebensphase in eine Berufungskrise, empfiehlt er, zunächst genau zu prüfen, woraus die Krise besteht, zu fragen „…ob das, was nicht so gut ist, so schlimm ist…, dass es auf dem Weg nicht mehr weitergeht…“, sich vielleicht auch eine Auszeit zu planen, diesen Fragen nachzugehen. Erkennt man jedoch, neue Wege sind dran, sollte man den Mut aufbringen, entsprechende Entscheidungen zu treffen, um nicht ein Leben lang verpassten Träumen nachzutrauern. Sehr anschaulich erzählt er ein Beispiel aus dem engen Familienkreis: Mit über dreißig wurde ein überaus erfolgreiches Architekturstudium begonnen und damit der Startschuss für ein Leben im Element gegeben.

Fundamentale Berufungskrisen gab es bei Prof. Bartone keine, sicherlich die ein oder andere schwierige Phase oder Situation. Seine Frau, Familie und Freunde helfen ihm in dieser Zeit – und der Glaube. Dieses tiefe Vertrauen, das Prof. Bartone beim Blick auf seine gesamten Berufungsweg ausstrahlt wird auch deutlich, wenn er aus einer Predigt von Diakon Jenni zitiert: „Der Herrgott hat uns nur eine sichere Landung versprochen aber keinen angenehmen Flug“.

In allen seinen Aufgabengebieten hat Herr Bartone das Gefühl, „...da gehör ich hin…“. Nicht einmal ein hoher Geldgewinn in Millionenhöhe könnte ihn davon abbringen, morgen früh erneut seinen Traum ein Stück weiter zu leben  – in diesem hypothetischen Fall zur Freude u. a. von Familie, Freunden und St. Marien, natürlich unter Beachtung der schenkungssteuerrechtlichen Regelungen.

Am Ende des Gesprächs wird noch einmal das Vertrauen deutlich, aus der Herr Bartone Kraft und Zuversicht schöpft. Sein Satz auf einer Plakatwand auf dem Stummplatz würde lauten: „Man kann nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.“

Das Gespräch kann auf Youtube angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=3ERSPCYcLW0

 

 

... Petra Hohnsbein, Leiterin des ambulanten Hospizes in Neunkirchen

„Ich habe es bisher keinen Tag bereut“.

Im nächsten Jahr wird die Gründung des ambulanten Hospizes durch das St. Josefskrankenhaus mit seinen verschiedenen Kooperationspartnern zwanzigjähriges Jubiläum begehen. Damit wurde die Idee der Hospizbewegung, die gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland Fuß fasste, aufgegriffen.

Frau Hohnsbein war von Anfang an dabei und hat die ambulante Hospizarbeit für den Landkreis Neunkirchen mit aufgebaut. Zu Anfang mit einer halben Stelle und drei ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ausgestattet, entwickelte sich bis heute ein Team mit sieben KollegInnen im Haupt und vielen im Ehrenamt.

Schon als Kind hatte Frau Hohnsbein eine Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft. Wenn Ihr auch die Ausbildung für eine Bürotätigkeit vorgeschlagen wurde, hat sie sich bewusst und nachdrücklich für den Weg als Krankenschwester entschieden. Zweifel hatte sie an diesem Schritt keine – höchsten früher, als der Wochenenddienst bevorstand und mit privaten Plänen für den Freitag- oder Samstagabend kollidierte. Menschen in einer Krankheitsphase ein gutes Wort geben, für sie da sein, sie be- und nicht missachten war ihre Motivation für die Berufswahl. Dann, vor 19 Jahren, verschob sich ihr beruflicher Fokus von der Pflege und Begleitung Kranker zur Begleitung von Sterbenden. Weshalb kümmert sich Frau Hohnsbein seit nun beinahe zwanzig Jahre um Sterbende: „Ich tu das, weil das ist…so eine sinnvolle Aufgabe, Menschen am Lebensende zu begleiten,…mitzutragen,…das Leiden zu lindern,…das zu tun, was der Sterbende will“.

Begleitung von Sterbenden heißt zunächst, auch im organisatorischen Bereich für den Betroffenen und seine Angehörigen da zu sein, Möglichkeiten der Unterstützung zu eröffnen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein Sterben so möglich ist, wie der Betroffene es sich vorstellt und es gleichzeitig die Angehörigen mittragen können. Im pflegerisch-medizinischen Bereich heißt es auch ganz praktisch, Therapien zur Schmerzminderung zu ermöglichen.

Beim Gespräch mit Menschen im Sterbeprozess geht es in der letzten Lebensphase auch um sehr persönliche Themen. Oft werden dabei weniger Fehler, die im Laufe des Lebens geschehen sind, bereut, als vielmehr das, was sie nicht getan wurde, Chancen, Gelegenheiten, die ungenutzt blieben. Nicht selten stehen auch Beziehungen zu anderen Menschen im Mittelpunkt der Gespräche: ungeklärte Konflikte zu nahen Familienangehörigen, verlorene Kontakte zu engen Freunden. Dass Beziehungen wieder gelingen, Kontakte wieder aufgenommen werden, zählt für Frau Hohnsbein zu den highlights ihrer Tätigkeit.

Wenn Menschen leiden müssen, da sie medikamentös noch nicht ausreichend versorgt sind oder persönliche Verlusterfahrungen sind Tiefpunkte ihres beruflichen Lebens. Gespräche mit ihrer Familie, mit den Kollegen, Supervision aber auch Aufenthalte in der Natur helfen ihr in diesen Phasen.

Frau Hohnsbein wusste früh, in welche Richtung sie ihr beruflicher Weg führen sollte. Würde sie heute von einem 17-jährigen gefragt, wie man seinen Weg finden kann, wäre ihre Empfehlung, sich verschiedene Bereiche anzuschauen und bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium nicht zu vergessen, es gibt auch eine zweite Chance: man kann auch später umsteuern, etwas Neues beginnen. Dies würde sie auch einem 40-jährigen in einer Berufungskrise mit auf den Weg geben: nicht einfach weiter zu gehen, wenn man unglücklich ist, sondern Chancen ergreifen und neue Möglichkeiten nutzen. Sie selbst hat in diesem Alter den Weg in die Hospizarbeit eingeschlagen.

Frau Hohnsbein strahlt eine faszinierende Überzeugung für ihren Berufsweg aus. Nicht einmal ein Koffer voller Geld könnte sie dazu bewegen, ihren Beruf aufzugeben.

Es wirkt wie eine Zusammenfassung des Gesprächs, wenn Frau Hohnsbein auf die Frage antwortet, welchen Satz sie auf eine Plakatwand am Stummplatz schreiben würde: „Wer sich heute freuen kann, sollte nicht bis morgen warten.“ (Pestalozzi)

Das Gespräch kann auf YouTube angesehen werden: https://youtu.be/Yc4XhMKASng

 

 

... Anke Birk

„Das Immer besteht aus vielen Jetzt“ (Emily Dickinson)

Nach Ladenschluss in einer Buchhandlung eingeschlossen zu sein – für viele wäre das ein Traum. „Auf ein Bier mit…“ macht es möglich. Am 28. April waren wir um 19.30 zu Gast in der Buchhandlung König, bei der Besitzerin Anke Birk. Allerdings nur virtuell und nicht ganz dem ursprünglichen Konzept der Veranstaltungsreihe entsprechend. Coronabedingt können wir derzeit nicht ins Pub, wo eigentlich der Gesprächsabend stattfinden soll. Auf diesem Wege jedoch Träume wahr werden zu lassen, war mehr als ein notwendiger „Plan B“.

Für Anke Birk ist es die „Lebenswahl“, einen wesentlichen Teil ihrer Zeit in der Buchhandlung König zu verbringen. Wenn es auch nicht die ursprüngliche Idee für ihr Berufsleben war, so aber auch keineswegs ein „Plan B“, sondern eine Aufgabe, bei der sie auf mitreisende Art ausstrahlt, was sie seit nun 32 Jahren tut. Schon immer war lesen ein Hobby, das auch von zu Hause sehr gefördert wurde. Die evangelische Bücherei hatte sie „..irgendwann mal leer gelesen“, so dass dann der familiäre Besitz an Büchern von Karl May weiterhelfen musste – und die Überzeugung wuchs, ein beruflicher Weg auf diesem Gebiet wird kein Fehler sein.

Nach einem Ausflug in die Sozialarbeit am Anfang ihres beruflichen Lebens kam sie durch verschiedene Zufälle zu einer Ausbildung in ihrer heutigen Buchhandlung und zu ihrer Mentorin und der früheren Eigentümerin Edith Riefer. Wie wichtig Personen, Kollegen, Kunden, ein gutfunktionierendes Team für ein Leben im flow, ein Leben im Element sind, wird an vielen Stellen des Gesprächs auf überzeugende Art und Weise deutlich. Mehrfach betont Frau Birk die professionell-freundschaftliche Begleitung durch ihre Vorgängerin, die angenehme Atmosphäre einer Teamarbeit, die auf gutem Austausch, Offenheit und Spaß an der Zusammenarbeit beruht, und die enge Bindung zu vielen Kunden mit oftmals tiefen Gesprächen, die weit über das Alltägliche hinaus gehen. „Das Immer besteht aus vielen Jetzt“ (Dickinson). Auf beeindruckende Art und Weise spiegeln sich diese vielen kleinen und großen Momente, die sich zu ihrer Berufung fügen, in dem Zitat von Emily Dickinson wider, das Frau Birk auf die Frage anführt, welchen Satz sie auf eine Plakatwand am Stummplatz schreiben würde.

Die Buchhandlung dann vor fünf Jahren zu übernehmen war durchaus herausfordernd, mit Zweifeln und neuen Aufgaben verbunden. Doch eines blieb: der Spaß und Freude an der Arbeit und an der Zusammenarbeit mit den Kollegen.

Das ist auch die Empfehlung von Frau Birk an junge Menschen auf der Suche nach ihrer Berufung: Zunächst geht es darum, herauszufinden, was einen Menschen begeistert, ihm oder ihr Spaß macht; vielleicht auch, wofür man sich stark macht, sich einsetzt. Die Frage, welche Aussichten und Sicherheiten der Beruf in ferner Zukunft bietet, sollte dabei eher nicht bestimmend sein. Findet man zunächst keine Entscheidung, könnte durchaus das absolvieren einer Ausbildung nach der Schulzeit eine erste Option sein. Gerät man in späteren Jahren in eine Berufungskrise, ist auch ein Weg in die Buchhandlung eine Möglichkeit, um neuen Input zu bekommen. Mit „Weisheitsgeschichten“, die einen anregen, mit einem neuen, mit einem anderen Blick auf das Leben zu schauen, ist man dann von einer Buchhändlerin/einem Buchhändler gut beraten.

Nicht einmal großer materieller Reichtum könnte Frau Birk in eine Berufungskrise stürzen und sie verlocken, der Buchhandlung ein anderes Leben vorzuziehen. Es gibt Hoffnung, dass es noch viele Jahre diesen Ort der Bücher mit einem guten Team und einer begeisterten und begeisternden Chefin gibt.

Das Gespräch kann auf YouTube angesehen werden: https://youtu.be/blK83aHYf8w

... Diakon Oswald Jenni

„Der Diakon geht, Christus bleibt“

Bereits zum zweiten Mal fand am 31. März 2021 der Gesprächsabend „Auf ein Bier mit..“ statt. In dieser besonderen Zeit, der Karwoche, stand Diakon Jenni Dr. Markus Seeger Rede und Antwort.

Zu Beginn seines Berufslebens entschied sich der Diakon zunächst für einen klassisch weltlichen Beruf, absolvierte eine Ausbildung zum Koch und sollte da auch zügig die Karriereleiter aufsteigen: Bereits mit 18 war er in verantwortlicher Leitungsposition in einem Kaufhausrestaurant. Parallel setzte er sich für seine Kollegen ein und war gewerkschaftlich engagiert. Doch eine Unruhe blieb und Fragen waren offen. Ein Jahr in Taizé brachte die Entscheidung zwischen einer weltlichen Laufbahn in Gewerkschaft oder Politik und einem kirchlichen Weg. Dem Evangelium zu folgen war seine Motivation, eine sichere berufliche Perspektive aufzugeben, Neues zu wagen und ein Studium der Religionspädagogik in Mainz zu beginnen. Die Überzeugung für diese Entscheidung, die ehrenamtliche Verankerung in der Kirche gaben ihm letztlich den Mut und die Gewissheit, dieser Weg führt in eine gute Zukunft als Gemeindereferent. Kirche neu und visionär zu gestalten, speziell nach dem Konzil, war für ihn eine begeisternde Aufgabe als Hauptberuflicher in der Kirche.

Viele Jahre später unterstrich Jenni diese Berufung noch einmal deutlich mit der Weihe zum Diakon. Auch zuvor war er bereits mit „..Haut und Haaren..“ in seinem Beruf engagiert; mit der Weihe wollte er sich noch einmal mehr innerlich und existentieller kirchlich binden.

Grundlegende Zweifel und Anfragen an seine Berufung gab es nicht, Frustrationen im Alltag schon eher. Einerseits mal richtig schimpfen, andererseits auch abgeben zu können, zu Vertrauen auf eine höhere Macht waren und sind in diesen Situationen seine Rezepte. „Lieber Gott, es ist Deine Firma“ ist ein Satz, den Gott dann das ein oder andere Mal vom Diakon zu hören bekam. Letztlich hat auch die Sicherheit, jederzeit wieder als Koch arbeiten zu können, manches entspannt.

Wie findet man nun seinen Weg, war eine der Kernfragen des Gesprächs. Würde Jenni ein 17-Jähriger diese Frage stellen, wäre die Antwort, probiere Dich aus, spüre nach, was Dich begeistert, traue Dir etwas zu, schau Dich in der Welt um. Käme ein 40-Jähriger mit einer Berufungskrise, würde er ihn ebenfalls auffordern, seiner inneren Stimme zu folgen.  Sicherlich dann mit dem Appell sensibel zu klären, was ist wirklich Sehnsucht oder vielleicht auch eine Symptomatik der midlife crisis. Persönliche Begleitung und Beziehungen hält er gerade in einer solchen Lebensphase zur Berufungsklärung für wesentlich.

„Es geht immer darum froh zu sein, also wir sind ja nicht auf dieser Erde, um zu funktionieren“. Mit diesem Satz beschreibt Jenni auf seine charakteristische und typische Art genau das, was es bedeutet im Element zu sein, Berufung zu leben.

Wenn in einigen Monaten nun der Ruhestand ansteht, blickt der Diakon mit Wehmut aber auch mit Vorfreude auf dieses Datum. „Den Druck des Alltags..“ im kirchlichen Dienst loszulassen, ist sicherlich ein Grund zur Freude, Aufgaben nicht mehr auszuüben, die ihn erfüllt haben, für die er gebrannt hat, sind Grund für ein weinendes Auge beim Blick auf den neuen Lebensabschnitt.

„Der Diakon geht, Christus bleibt“ wäre sein Satz auf einer Plakatwand auf dem Stummplatz. Manche Andeutung im Verlauf des Gesprächs gibt allerdings Hoffnung, dass auch der Diakon im Ruhestand noch ab und zu in Neunkirchen froh bei der ein oder anderen kirchlichen Aufgabe anzutreffen ist.

Das Gespräch kann auf YouTube angesehen werden: https://t1p.de/keb-jenni

... dem Zoodirektor von Neunkirchen

„Auf ein Bier mit Zoodirektor Dr. Norbert Fritsch“ hieß es am 24. Februar 2021 um 19:30 Uhr in der Bar der Schule des Neunkirchener Zoos. Mit dieser Premiere gab es den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe von der Katholischen Erwachsenenbildung Neunkirchen, Citypastoral „momentum“ und der Pfarrei St. Marien. Unter dem Titel „Auf ein Bier mit..“ werden wir uns immer am letzten Mittwoch im Monat mit einem Gast - vorwiegend aus der Region - über seinen Beruf/ihre Berufung unterhalten. Eine Stunde lang, bei einem Bier geht es um die Fragen: Was zeichnet ein erfülltes Berufsleben aus? Welche Kriterien kennzeichnen einen Beruf, der Berufung ist? Wie sieht ein Alltag im flow aus?

Normalerweise treffen wir uns zum Gespräch in einem Pub in Neunkirchen. Aufgrund der aktuellen Coronasituation fand das Gespräch zwischen Dr. Norbert Fritsch und Dr. Markus Seeger unter Einhaltung der Hygienebedingungen in der Zooschule statt. Das Publikum war über Internet zugeschaltet.

Dr. Norbert Fritsch ist promovierter Naturwissenschaftler und verantwortlich für mehr als 600 Tiere in circa 140 Arten, wie z. B. Elefanten, Leguane, Orang-Utans, Giraffen und Bären sowie 40 Mitarbeiter*innen.

Der erste Schluck Bier an diesem Abend galt einem besonderen Jubiläum, das der Zoo und sein Direktor vor wenigen Tagen beging. Am 1. Februar feierte Dr. Fritsch sein 20-Jähriges Dienstjubiläum. Dieses Datum steht nicht alleine für 20 Jahre verantwortungsvolle Tätigkeit, sondern für einen Mann, der in der Arbeit für den Zoo seine Lebensaufgabe gefunden hat. „Weil ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein..“ – so beschreibt es Norbert Fritsch, hier seine Berufung gefunden zu haben. Sich für die Sensibilisierung zur Bewahrung verschiedener, vor allem gefährdete Arten, einzusetzen, für den Wert der Natur zu werben, sind die Beweggründe für seinen Einsatz. Nicht einmal die Vorstellung, viel Geld im Lotto zu gewinnen, könnte ihn davon abbringen, sich für diese Anliegen einzusetzen.

Seinen Interessen nachzugehen sieht er als Schlüssel für die Suche nach der persönlichen Berufung. Sich durchaus auch Zeit für Orientierung zu nehmen, mal nach der Schule andere, neue Erfahrungen sammeln, um zu sehen, was die Welt zu bieten hat und wo man vielleicht noch unentdeckt, seine Erfüllung finden könnte, sind Empfehlungen von Dr. Fritsch, um den eigenen Weg zu finden.

Sicherlich gibt es Durststrecken – auch wenn man ein Leben im flow führt. In einer solchen Situation heißt es für ihn: Einfach mal raus: mental, psychisch und  - wenn möglich aber nicht unbedingt notwendig - auch physisch weit weg von allem und die Seele baumeln lassen, in dieser Zeit nicht bewusst reflektieren, sich keine Ziele setzen, sondern einfach leben. Bei Dr. Fritsch war es eine Zeit in Südafrika, die in ihm wieder die Sehnsucht nach seinem Zoo verstärkt und bestätigt hat.

Der Abend endete mit einer Geschichte des bekannten Kabarettisten Dr. Hirschhausen. Er hat sich am Beispiel von Pinguinen Gedanken über Berufung gemacht. Ein Pinguin im Wasser ist in seinem Element, sich dort zu bewegen, ist seine Stärke – im Unterschied zum Pinguin an Land. Dieses Element zu finden, ist eine faszinierende Lebensaufgabe, es gefunden zu haben, ist ein Leben im flow. Sich mit dem Zoodirektor von Neunkirchen zu unterhalten lässt keine Zweifel zu: hier hat einer sein Element gefunden.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und kann unter https://youtu.be/QiZRqIIAyoc angesehen werden.