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... mit Diakon Oswald Jenni

„Der Diakon geht, Christus bleibt“

Bereits zum zweiten Mal fand am 31. März 2021 der Gesprächsabend „Auf ein Bier mit..“ statt. In dieser besonderen Zeit, der Karwoche, stand Diakon Jenni Dr. Markus Seeger Rede und Antwort.

Zu Beginn seines Berufslebens entschied sich der Diakon zunächst für einen klassisch weltlichen Beruf, absolvierte eine Ausbildung zum Koch und sollte da auch zügig die Karriereleiter aufsteigen: Bereits mit 18 war er in verantwortlicher Leitungsposition in einem Kaufhausrestaurant. Parallel setzte er sich für seine Kollegen ein und war gewerkschaftlich engagiert. Doch eine Unruhe blieb und Fragen waren offen. Ein Jahr in Taizé brachte die Entscheidung zwischen einer weltlichen Laufbahn in Gewerkschaft oder Politik und einem kirchlichen Weg. Dem Evangelium zu folgen war seine Motivation, eine sichere berufliche Perspektive aufzugeben, Neues zu wagen und ein Studium der Religionspädagogik in Mainz zu beginnen. Die Überzeugung für diese Entscheidung, die ehrenamtliche Verankerung in der Kirche gaben ihm letztlich den Mut und die Gewissheit, dieser Weg führt in eine gute Zukunft als Gemeindereferent. Kirche neu und visionär zu gestalten, speziell nach dem Konzil, war für ihn eine begeisternde Aufgabe als Hauptberuflicher in der Kirche.

Viele Jahre später unterstrich Jenni diese Berufung noch einmal deutlich mit der Weihe zum Diakon. Auch zuvor war er bereits mit „..Haut und Haaren..“ in seinem Beruf engagiert; mit der Weihe wollte er sich noch einmal mehr innerlich und existentieller kirchlich binden.

Grundlegende Zweifel und Anfragen an seine Berufung gab es nicht, Frustrationen im Alltag schon eher. Einerseits mal richtig schimpfen, andererseits auch abgeben zu können, zu Vertrauen auf eine höhere Macht waren und sind in diesen Situationen seine Rezepte. „Lieber Gott, es ist Deine Firma“ ist ein Satz, den Gott dann das ein oder andere Mal vom Diakon zu hören bekam. Letztlich hat auch die Sicherheit, jederzeit wieder als Koch arbeiten zu können, manches entspannt.

Wie findet man nun seinen Weg, war eine der Kernfragen des Gesprächs. Würde Jenni ein 17-Jähriger diese Frage stellen, wäre die Antwort, probiere Dich aus, spüre nach, was Dich begeistert, traue Dir etwas zu, schau Dich in der Welt um. Käme ein 40-Jähriger mit einer Berufungskrise, würde er ihn ebenfalls auffordern, seiner inneren Stimme zu folgen.  Sicherlich dann mit dem Appell sensibel zu klären, was ist wirklich Sehnsucht oder vielleicht auch eine Symptomatik der midlife crisis. Persönliche Begleitung und Beziehungen hält er gerade in einer solchen Lebensphase zur Berufungsklärung für wesentlich.

„Es geht immer darum froh zu sein, also wir sind ja nicht auf dieser Erde, um zu funktionieren“. Mit diesem Satz beschreibt Jenni auf seine charakteristische und typische Art genau das, was es bedeutet im Element zu sein, Berufung zu leben.

Wenn in einigen Monaten nun der Ruhestand ansteht, blickt der Diakon mit Wehmut aber auch mit Vorfreude auf dieses Datum. „Den Druck des Alltags..“ im kirchlichen Dienst loszulassen, ist sicherlich ein Grund zur Freude, Aufgaben nicht mehr auszuüben, die ihn erfüllt haben, für die er gebrannt hat, sind Grund für ein weinendes Auge beim Blick auf den neuen Lebensabschnitt.

„Der Diakon geht, Christus bleibt“ wäre sein Satz auf einer Plakatwand auf dem Stummplatz. Manche Andeutung im Verlauf des Gesprächs gibt allerdings Hoffnung, dass auch der Diakon im Ruhestand noch ab und zu in Neunkirchen froh bei der ein oder anderen kirchlichen Aufgabe anzutreffen ist.

Das Gespräch kann auf YouTube angesehen werden: https://t1p.de/keb-jenni

... dem Zoodirektor von Neunkirchen

„Auf ein Bier mit Zoodirektor Dr. Norbert Fritsch“ hieß es am 24. Februar 2021 um 19:30 Uhr in der Bar der Schule des Neunkirchener Zoos. Mit dieser Premiere gab es den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe von der Katholischen Erwachsenenbildung Neunkirchen, Citypastoral „momentum“ und der Pfarrei St. Marien. Unter dem Titel „Auf ein Bier mit..“ werden wir uns immer am letzten Mittwoch im Monat mit einem Gast - vorwiegend aus der Region - über seinen Beruf/ihre Berufung unterhalten. Eine Stunde lang, bei einem Bier geht es um die Fragen: Was zeichnet ein erfülltes Berufsleben aus? Welche Kriterien kennzeichnen einen Beruf, der Berufung ist? Wie sieht ein Alltag im flow aus?

Normalerweise treffen wir uns zum Gespräch in einem Pub in Neunkirchen. Aufgrund der aktuellen Coronasituation fand das Gespräch zwischen Dr. Norbert Fritsch und Dr. Markus Seeger unter Einhaltung der Hygienebedingungen in der Zooschule statt. Das Publikum war über Internet zugeschaltet.

Dr. Norbert Fritsch ist promovierter Naturwissenschaftler und verantwortlich für mehr als 600 Tiere in circa 140 Arten, wie z. B. Elefanten, Leguane, Orang-Utans, Giraffen und Bären sowie 40 Mitarbeiter*innen.

Der erste Schluck Bier an diesem Abend galt einem besonderen Jubiläum, das der Zoo und sein Direktor vor wenigen Tagen beging. Am 1. Februar feierte Dr. Fritsch sein 20-Jähriges Dienstjubiläum. Dieses Datum steht nicht alleine für 20 Jahre verantwortungsvolle Tätigkeit, sondern für einen Mann, der in der Arbeit für den Zoo seine Lebensaufgabe gefunden hat. „Weil ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein..“ – so beschreibt es Norbert Fritsch, hier seine Berufung gefunden zu haben. Sich für die Sensibilisierung zur Bewahrung verschiedener, vor allem gefährdete Arten, einzusetzen, für den Wert der Natur zu werben, sind die Beweggründe für seinen Einsatz. Nicht einmal die Vorstellung, viel Geld im Lotto zu gewinnen, könnte ihn davon abbringen, sich für diese Anliegen einzusetzen.

Seinen Interessen nachzugehen sieht er als Schlüssel für die Suche nach der persönlichen Berufung. Sich durchaus auch Zeit für Orientierung zu nehmen, mal nach der Schule andere, neue Erfahrungen sammeln, um zu sehen, was die Welt zu bieten hat und wo man vielleicht noch unentdeckt, seine Erfüllung finden könnte, sind Empfehlungen von Dr. Fritsch, um den eigenen Weg zu finden.

Sicherlich gibt es Durststrecken – auch wenn man ein Leben im flow führt. In einer solchen Situation heißt es für ihn: Einfach mal raus: mental, psychisch und  - wenn möglich aber nicht unbedingt notwendig - auch physisch weit weg von allem und die Seele baumeln lassen, in dieser Zeit nicht bewusst reflektieren, sich keine Ziele setzen, sondern einfach leben. Bei Dr. Fritsch war es eine Zeit in Südafrika, die in ihm wieder die Sehnsucht nach seinem Zoo verstärkt und bestätigt hat.

Der Abend endete mit einer Geschichte des bekannten Kabarettisten Dr. Hirschhausen. Er hat sich am Beispiel von Pinguinen Gedanken über Berufung gemacht. Ein Pinguin im Wasser ist in seinem Element, sich dort zu bewegen, ist seine Stärke – im Unterschied zum Pinguin an Land. Dieses Element zu finden, ist eine faszinierende Lebensaufgabe, es gefunden zu haben, ist ein Leben im flow. Sich mit dem Zoodirektor von Neunkirchen zu unterhalten lässt keine Zweifel zu: hier hat einer sein Element gefunden.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und kann unter https://youtu.be/QiZRqIIAyoc angesehen werden.